IM LICHT DER LETZTEN HOFFNUNG

Erinnerung trägt den Frieden

Marguerite Blume-Cárdenas ° Christopher Balzer ° Wiebke Conrad

02. Mai – 26. Juni 2026

FINISSAGE: FR., 26. JUNI 18-20 UHR

 

Preisliste zur Ausstellung

 

 

Die Ausstellung „Im Licht der letzten Haltung – Erinnerung trägt den Frieden“ ist eine Besinnung auf das, was bleibt, wenn alles andere zurücktritt. Sie fragt nach jenen Momenten, in denen Gewissheiten ins Wanken geraten und Haltung als letzte sichtbare Form von Widerstand hervortritt.

Was bleibt, wenn Strukturen fallen?
Wenn politische Ordnungen enden oder innere Gewissheiten ins Wanken geraten?
Im Licht der letzten Haltung erscheint jener Augenblick, in dem nichts Sicheres mehr trägt – außer dem, was wir in uns aufrichten.

Diese Ausstellung ist nicht nur eine Gruppenausstellung. Sie ist ein Zeitraum von über 80 Jahren gelebter Haltung.

Drei Generationen – geboren 1942, 1963 und 1992 – treten in einen offenen Dialog. Ihre Arbeiten aus Sandstein, Gouache, Tusche, Acryl, Kohle und Graphit zeigen, wie unterschiedlich Frieden, Erinnerung und innere Standfestigkeit gelesen werden können. Und zugleich, wie eng diese Fragen miteinander verbunden bleiben.

Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs – einen historischen Einschnitt, der Befreiung bedeutete und zugleich eine neue Verantwortung begründete. Doch mit dem Ende eines Systems beginnt nicht automatisch Frieden. Geschichte wirkt nach. In Körpern, in Familien, in Erzählungen – in dem, was unausgesprochen weitergetragen wird und sich über Generationen nicht auflösen lässt.

Was wurde weitergegeben?
Was haben wir – bewusst oder unbewusst – als Erbe übernommen?
Welche inneren Landschaften sind daraus gewachsen?

Zwischen Zerfall und Aufrichtung, zwischen Verletzlichkeit und Widerstandskraft entstehen Bilder und Skulpturen, die den Zustand des Dazwischen erfahrbar machen. Wenn zerbombte Erde mit der Zeit wieder Leben hervorbringt, ist auch dies ein Bild für menschliche Widerstandskraft. Aus Zerstörung entsteht Neues – doch dieses Neue ist niemals losgelöst vom Alten.

Erinnerung ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Fundament. Vielleicht sogar eine Voraussetzung für Frieden – für Verständnis und ein bewusstes, spürbares Wahrnehmen dessen, was war und was werden kann.

Drei Künstler:innen – drei Generationen.
Ihre Arbeiten entziehen sich der Eindeutigkeit und öffnen einen Raum, in dem Haltung sichtbar wird.

Was im generationenübergreifenden Kontext sichtbar wird, ist eine Verschiebung der künstlerischen Sprache. Nicht als lineare Entwicklung, sondern als Veränderung der Tonlage. In den Arbeiten von Marguerite Blume-Cárdenas erscheint die Erfahrung unmittelbar im Material. Stein bleibt Stein. Die Form ist klar, die Geste entschieden. Nichts wird beschönigt. Die Skulpturen tragen das Gewicht des Erlebten – das Gesehene, das Weitergegebene. Haltung ist hier physisch. Präsenz bedeutet Standhalten. Rückt man zwei Jahrzehnte weiter, begegnet man bei Christopher Balzer einer anderen Form von Verdichtung. Das Konkrete löst sich in Struktur, in Rhythmus, in Linie. Geschichte erscheint nicht als dokumentierte Erinnerung, sondern als nachwirkende Spannung. Seine Zeichnungen oszillieren zwischen Figur und Zeichen – sie schlagen Alarm, ohne zu erklären. In den Arbeiten von Wiebke Conrad schließlich verlagert sich der Fokus in den innersten Raum des Körpers. Nähe, Verletzlichkeit und Berührung treten an die Stelle monumentaler Geste. Die Fragilität wird sichtbar – nicht als Schwäche, sondern als Möglichkeit. Hier erscheint Frieden nicht als politisches Ereignis, sondern als zwischenmenschlicher Zustand. So entsteht kein „weicheres“ Erzählen, sondern eine Verschiebung vom äußeren Ereignis zum inneren Raum.

 

 

 


… und als Nächstes?


 

 

XECON UDDIN

Conversations in Daydream
08. August – 02. Oktober 2026

 

 

 

Conversations in Daydream bewegt sich in einem Raum zwischen Erinnerung, Begehren und stiller Körperlichkeit. Xecon Uddins Malereien zeigen Figuren, Tiere und vegetative Formen in traumartigen Übergängen, in denen Nähe weniger erzählt als empfunden wird. Berührungen bleiben angedeutet, Blicke verweilen, Zeit scheint sich zu verlangsamen. Seine Arbeiten öffnen intime Bildräume, in denen sich queere Identität nicht als festgeschriebene Kategorie manifestiert, sondern als fragile, lebendige Erfahrung von Beziehung, Wahrnehmung und emotionaler Nähe.

Der Ausstellungstitel verweist auf jene inneren Gespräche, die Uddins Arbeiten durchziehen. Es sind Dialoge ohne Sprache. Zwischen Erinnerung und Wunsch, Körper und Landschaft, Nähe und Distanz. Seine Bilder zeigen keine konkreten Ereignisse oder Geschichten. Vielmehr entfalten sie sich wie Tagträume. Fragmentarisch, offen und von einer stillen Intensität getragen. Die Figuren erscheinen häufig in Momenten des Innehaltens, versunken in Gedanken oder Erinnerungen. Sie scheinen weniger mit ihrer Umgebung als mit ihrem eigenen Inneren beschäftigt zu sein und laden dazu ein, den Blick zu verlangsamen und jenen Empfindungen Raum zu geben, die sich dem Eindeutigen entziehen.

Körper erscheinen dabei durchlässig. Eingebettet in Pflanzen, Tiere oder farbige Zwischenwelten, die weniger reale Orte als emotionale und psychische Zustände beschreiben. Blumen, Blätter und organische Formen fungieren nicht als dekorative Elemente, sondern als emotionale Resonanzräume. Sie spiegeln Sehnsucht, Fürsorge, Verletzlichkeit und Begehren wider und werden zu sichtbaren Trägern innerer Erfahrungen. Mensch und Natur treten dabei in einen stillen Dialog, in dem Grenzen zwischen Innen und Außen, Erinnerung und Gegenwart zunehmend verschwimmen.

Zwischen leuchtenden Farbflächen, dunklen Bildräumen, zarten Gesten und verletzlichen Blicken entwickelt Uddin eine Malerei, die Intimität nicht ausstellt, sondern behutsam sichtbar werden lässt. Seine Figuren begegnen der Welt nicht durch Handlung, sondern durch Wahrnehmung. Gerade in ihrer Zurückhaltung entfalten die Arbeiten eine besondere Präsenz. Sie erzählen von jenen Momenten, in denen Identität, Nähe und Selbstwahrnehmung nicht erklärt werden müssen, sondern einfach existieren dürfen.

Geboren in Comilla, Bangladesch, lebt und arbeitet Xecon Uddin seit 2010 in Paris. Nach seinem Studium der Bildenden Kunst in Dhaka entwickelte er eine vielschichtige künstlerische Praxis, die Malerei, Druckgrafik, Keramik und experimentelle Verfahren miteinander verbindet. Unterschiedliche Materialien und Techniken, darunter Lithografie, Aquatinta, Tinte, Acryl oder Zyanotypie, untersucht er dabei nicht nur als formale Mittel, sondern als eigenständige Ausdrucksformen gelebter Erfahrung.

Gerade in ihrer Ruhe tragen diese Arbeiten eine besondere Form von Widerstand und Hoffnung in sich. Sie bestehen auf Zärtlichkeit, Verletzlichkeit und emotionaler Offenheit. In einer Gegenwart, die diese Zustände oft verdrängt oder bedroht. Schmerz wird dabei nicht verborgen, sondern in etwas Verbindendes transformiert. In Nähe, Fürsorge und die Möglichkeit, die Welt anders zu betrachten. Uddins Figuren verweilen in einem Zustand zwischen Traum und Wachsein, in dem Verletzlichkeit nicht als Schwäche erscheint, sondern als Voraussetzung für Empathie, Würde und gegenseitige Wahrnehmung.

Seine Arbeiten entwerfen keine idealisierte Gegenwelt. Vielmehr eröffnen sie einen sensiblen Raum für die Frage, wie ein Zusammenleben aussehen könnte, das auf emotionaler Nähe, Respekt und gegenseitiger Sichtbarkeit beruht. Sie kreisen um jene leisen Formen von Selbstsicherheit, Zuneigung und Verbundenheit, denen man folgt, auf die man wartet oder zu denen man andere einlädt. In einer Zeit permanenter Beschleunigung erinnern sie daran, dass Aufmerksamkeit, Fürsorge und Verletzlichkeit selbst zu einer Form der Begegnung werden können.

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